WARSTEIN – Hinter dem Warsteiner Tennisprofi Jan-Lennard Struff liegt kein einfaches Jahr. Der mittlerweile 35-Jährige hatte in dieser Saison auf der Tour mit einer extrem schwachen ersten Jahreshälfte zu kämpfen, rutschte dadurch sogar von Platz 42 zum Jahresstart zwischenzeitlich bis auf Rang 152 ab. Wie der deutsche Davis Cup-Spieler sich in die Top 100 zurückgekämpft hat und wie er das Jahr aus seiner Sicht erlebt hat, erklärt er im großen Jahresinterview.
Jan-Lennard, ein herausforderndes Jahr liegt hinter dir? Wie fühlst du dich kurz vor Weihnachten und wie geht es dir aktuell?
Struff: „Ich fühle mich ganz gut, wir haben im Dezember etwas mehr als eine Woche auf Mallorca trainiert. Ansonsten geht es mir nach der Pause und in der aktuellen Vorbereitung gut.“
Für dich lief der Jahresstart nicht optimal, mit nur fünf Einzelsiegen bist du in der ersten Jahreshälfte bis zum Turnier von Wimbledon nicht richtig in Tritt gekommen. Wie bewertest du in der Rückschau diese für dich schwierige Phase?
Struff: „Das war einfach ein schwieriges Jahr für mich. Es ist nicht ideal losgegangen. Zum Jahresstart habe ich auch keine guten Leistungen gezeigt. Durch den Start würde ich das Jahr als sehr durchwachsen bewerten.“

Deutlich besser lief es in der zweiten Saisonhälfte, in der du wichtige Weltranglistenpunkte für dein erneutes Abschließen in den Top 100 einfahren konntest. Gab es einen Schlüsselmoment, den du für diesen Umschwung im Nachgang ausmachen kannst? Und wie ordnest du 2025 generell ein?
Struff: „Das Wichtige ist, dass ich hinten raus einige positive Ergebnisse einfahren konnte. Einen Schlüsselmoment kann ich gar nicht richtig ausmachen. Ich habe einfach richtig viel gearbeitet und das hat sich am Ende dann ausgezahlt. Dazu gehörten auch intensive Kanalläufe mit meinem Physio Uwe Liedtke. Wimbledon war schon wichtig für mein weiteres Jahr, aber generell bin ich einfach drangeblieben.“
330 deiner 711 Weltranglistenpunkte hast du in Wimbledon und bei den US Open gesammelt. Aber auch die Challenger Tour war wieder Teil deines Kalenderjahres. Was sind bei den Wechseln die größten Unterschiede und die Herausforderungen für einen Profi?
Struff: „Die Grand Slam-Turniere sind einfach sehr prestigeträchtig, gehören zu den wichtigsten Wettbewerben des Jahres. Für mich sind das die bedeutendsten Wochen neben dem Davis Cup und den deutschen Turnieren. Es ist gut, dass ich bei diesen beiden Turnieren so gut performen konnte. Aber im Großen und Ganzen möchte ich überall gut spielen, egal bei welchem Turnier. Zu Beginn des Jahres bin ich leider nicht in einen gewissen Flow gekommen, viele Matches waren eng und man sieht an den US Open, wie es manchmal laufen kann. Da war ich in der zweiten Qualifikationsrunde quasi schon raus, konnte nach einer eintägigen Regenunterbrechung aber noch mal den Umschwung hinbekommen und habe die vierte Runde im Hauptfeld erreicht. Generell gibt es bei den Turnieren einfach sehr unterschiedliche Bedingungen, die sind auf ATP-Ebene noch mal etwas besser als auf Challenger-Ebene. Man darf nicht vergessen, dass das Level in der Tennisspitze enger zusammengerückt ist und bei den Challenger-Turnieren richtig gute Leute mitspielen. Wenn du da zwei, drei Prozentpunkte weniger ablieferst oder nicht ganz da bist, bekommst du das direkt zu spüren.“
Dein letztes Turnier in diesem Jahr, das Challenger-Turnier in Lyon, hat bei dir einen wichtigen Ausschlag gegeben. Du konntest mit dem Turniersieg von Rang 100 auf Platz 84 springen, das Jahr im Einzel versöhnlich beenden und die Teilnahme am Hauptfeld bei den Australian Open sichern. War es für dich eine Druck-Situation oder wie hast du die wichtige Woche erlebt?
Struff: „Die letzten Wochen waren sehr spannend. Durch die US Open hatte ich mich in eine richtig gute Situation gespielt. Bei den ersten Challenger-Turnieren danach habe ich nicht gut gespielt und ein bisschen was liegen lassen. In Almaty (ATP 250 in Kasachstan, Anm. der Red.) hatte es dann deutlich besser geklappt, da hatte ich im Viertelfinale gegen Moutet, der schwierig zu spielen ist, schon die erste Möglichkeit, durch ein Weiterkommen, die Qualifikation für die Australien Open klarzumachen. Nach der Niederlage konnte ich leider nicht die Siege holen, die ich gerne eingefahren hätte, danach sind Emotionen bei mir rausgekommen. Diese Emotionen haben mir dann aber auch noch gezeigt, wie sehr ich für das Tennis brenne. Dass ich es dann in der letzten Woche geschafft habe, war schon ein riesiger Erfolg für mich, auch wenn dieses späte Finish zu Jahresbeginn sicherlich nicht das Ziel war. Das Jahr mit dem Hauptfeld bei den Australian Open zu starten ist hilft. Aber da hängt sicherlich auch viel mit der Auslosung in Melbourne zusammen, das kann in beide Richtungen gehen. Die Leistungsdichte ist hart und jeder möchte einen guten Start ins Jahr hinlegen, das gilt auch für mich.

Du hast in den vergangenen zehn Spielzeiten nur einmal schlechter das Jahr beendet. Überwiegt dennoch die Freude über den Saisonendspurt mit dem Sprung nach vorne oder war der eigene Anspruch ein anderer?
Struff: „Der Endspurt war einfach wichtig für mich. Natürlich ist das Jahr nicht ganz so gelaufen, wie man es sich erhofft und vorgestellt hatte, aber man muss auch bescheiden bleiben. Man strebt immer nach mehr, aber es gibt auch schlechte Phasen und ich stand zwischenzeitlich auf Platz 152 der Weltrangliste und habe es geschafft, mich da aus wieder hochzuarbeiten.
Nach dem letzten Einzelturnier in Lyon standen noch die Davis Cup Finals mit dem deutschen Team in Bologna an, bei denen ihr knapp im Halbfinale gegen Spanien ausgeschieden seid. Konntest du danach ein bisschen zur Ruhe komme, ehe die Vorbereitung knapp zwei Wochen danach wieder startete?
Struff: „Es war auf jeden Fall wichtig, nach dem langen Jahr etwas zur Ruhe kommen zu können. Das Jahr ist wieder spät geendet und die Vorbereitung stand nur wenige Tage später wieder vor der Tür, aber es tat trotzdem gut und ich kenne es ja.
Wie hast du die Vorbereitung gemeinsam mit deinem Trainer Markus Wislsperger bislang gestaltet?
Struff: „Wir haben acht Tage auf Mallorca bei der Rafa Nadal Academy gearbeitet und uns intensiv für die anstehenden Aufgaben vorbereitet.“
Im vergangenen Jahr hast du im Interview gesagt, du befindest dich im Herbst/Winter deiner Karriere. Veränderst du dementsprechend auch deine Turnierplanung?
Struff: „Absolut. Ich werde im kommenden Jahr 36 und deshalb muss man dann auch mal Dinge anpassen. Aber ich fühle mich trotzdem weiterhin fit und gut.“
Mit welchen Turnieren startest du in die neue Saison?
Struff: „Hong Kong und Auckland sind die ersten beiden ATP-Turniere, bei denen ich jeweils in der Quali ran muss. Danach geht es nach Melbourne zu den Australian Open.“

Die Konkurrenz auf der ATP Tour wird größer, viele talentierte junge Spieler rücken nach. Wie erlebest du diesen Wandel auf der Tour?
Struff: „Es sind viele junge Spieler dabei, das Tennis bleibt im Wandel. Die Spitze ist enger zusammengerückt. Aber ich weiß, dass ich noch gut spielen kann und mit meinem Spiel anderen gefährlich werden kann. Das habe ich beispielsweise bei den US Open und Wimbledon zeigen können. Ich konnte es in diesem Jahr nicht mehr so häufig abrufen wie zuvor, musste mich extrem strecken und Gas geben. Andere Spieler sind jünger und haben dadurch vielleicht einige Vorteile, aber nicht unbedingt immer, weil ich mich auch noch stark fühle.
Ein talentierter junger Spieler ist Max Schönhaus, der ebenfalls aus dem Kreis Soest kommt und einst auch unter deiner Mutter trainiert hat. In diesem Sommer habt ihr im Doppel zusammengespielt. Wie siehst du seine Entwicklung?
Struff: „Ich freue mich für Max, dass er sich so nach vorne entwickelt. Er hat das Junior Rankings in diesem als Zweiter abgeschlossen, im November noch ein Future-Turnier gewonnen und ein Endspiel erreicht. Auch bei den Grand Slam-Turnieren lief es gut für ihn, das hat mich sehr gefreut. Jetzt geht es darum, den Übergang zum Profitennis zu schaffen. Er ist ein super netter Junge und ich drücke ihm die Daumen, dass das alles funktioniert. Der Plan wäre gewesen, dass wir vor Weihnachten auch noch mal zusammen trainieren, das hat aber leider nicht geklappt.
Am 30. Dezember trittst du die Reise nach Asien an. Wie verbringst du im Vorfeld die Feiertage?
Struff: „Über die Weihnachtstage habe ich noch mal etwas frei, ab dem 27. Dezember wird dann jeden Tag trainiert, bevor es zum ersten Turnier geht.“
Vielen Dank für deine Zeit und schöne Feiertage.
Struff: „Danke, das wünsche ich allen Tennisfreunden und -fans auch. Alles Gute und viel Gesundheit im neuen Jahr.“