NEW YORK – Achtelfinale, Arthur Ashe Stadium, Night Session: Besondere Aufgabe für Jan-Lennard Struff bei den US Open in New York. Nach dem erstmaligen Erreichen der vierten Runde bei dem Turnier im Flushing Meadows Corona Park stand für den Warsteiner die größte Herausforderung bei diesem Turnier an.
Ab 19:18 Uhr Ortszeit, 1:18 Uhr deutscher Zeit in der Nach zu Montag, stand auf der Gegenseite des größten Tennisstadions der Welt kein Geringerer als Novak Djokovic: Beeindruckende100 Turniersiege, davon 24 Grand Slam-Titel, 428 Wochen lang die Nummer 1 der Welt, 188,9 Mio. Dollar eingespielte Preisgelder stehen für den 38-jährigen Serben auf der Habenseite.

Während die aktuelle Nummer sieben der Weltrangliste im „Big Apple“ den 25. Grand Slam-Titel und den fünften Gewinn der US Open anvisiert, startete Struff vor zwei Wochen als aktuelle Nummer 144 der Welt in der Qualifikation zum letzten Grand Slam des Jahres.
Drei erfolgreiche Qualifikationsmatches sowie drei weitere beeindruckende Hauptfeld-Siege später stand Struff in der Night-Session des 23.771 Zuschauer fassenden Arthur Ashe Stadiums, um vor den Augen des bei ihm in der Box sitzenden Fußball-Weltmeisters Mats Hummels um den erstmaligen Viertelfinal-Einzug bei einem Grand Slam zu spielen.
Djokovic, der vor dem Match bereits 63 Mal in der Runde der letzten Acht bei einem der vier großen Major-Turniere stand, sollte gegen Struff von Beginn an tonangebend sein.
„Ich wusste, Struff ist einer der besten Aufschläger des Turniers, er hat die Statistik mit den meisten Assen aller Spieler angeführt“, erklärte Djokovic nach der Partie seine Herangehensweise im Interview. „Ich habe mein Spiel gegen ihn ein bisschen angepasst. Die meiste Zeit in meiner Karriere bin ich der Spieler, der rennt, der rutscht, der gleitet, und das werde ich auch bleiben. Aber manchmal stelle ich auf Serve and Volley um, um so wie heute aggressiver zu sein.“
Und diese Aggressivität bekam Jan-Lennard Struff von Beginn an voll zu spüren. Der extrem stark aufgelegte Djokovic stellte mit zwei Breaks zu Beginn schnell auf 0:4. Zwar konnte der Deutsche noch ein Re-Break einfahren, aber den Satzverlust mit 3:6 konnte er nicht mehr verhindern.
Der bislang im Turnier häufig gut servierende Struff hatte in diesem Match mit seinen Aufschlägen zu kämpfen, brachte am Ende nur 49 Prozent erste Aufschläge ins Feld und konnte damit nicht auf die Stärke setzen, die ihn in den vorherigen Runden einige wichtige Punkte gebracht hatte.
Djokovic das Maß aller Dinge
Der dagegen sehr gut servierende Serbe, 65 Prozent erste Aufschläge, war auch im zweiten Durchgang das Maß aller Dinge. Bis zum 3:3 war hier alles in Reihe, ehe der Deutsche jeweils mit einem Doppelfehler zwei Aufschlagspiele und letztlich auch diesen Satz mit 3:6 abgab.
Djokovic spielte extrem effizient, legte trotz einiger Behandlungspausen am rechten Arm, eine starke Performance auf den Court und ließ kaum Zweifel am Sieg aufkommen.
So verwandelte der 24-fache Grand Slam-Sieger nach 109 Minuten seinen zweiten Matchball, um das Viertelfinale gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz zu erreichen.
Auch wenn Struff in diesem Match nicht an das Potenzial der vergangenen Runden anknüpfen konnte, steht für ihn eine herausragende US Open-Zeit in einem bislang oft schwierigen Jahr zu Buche. Mit 230 erspielten Weltranglistenpunkten hat sich der Warsteiner zurück in die Top 100 gekämpft. Damit kann der 35-Jährige das nächste Grand Slam-Turnier, die Australian Open in Melbourne, voraussichtlich wieder ohne Qualifikation ins Auge fassen.
“Wiederauferstehung”
Boris Becker bei “Sport Europe TV”
Bei „Sport Europe TV“ beschrieb Tennis-Ikone und -Experte Boris Becker die Struff-Performances im Flushing Meadows Corona Park als eine „Wiederauferstehung.“
Neben den für den Sauerländer wichtigen Weltranglistenpunkten fährt er auch ein Preisgeld von 400.000 US-Dollar ein.
Als nächstes wird Struff für Deutschland im Davis Cup antreten, spielt das Aufgebot von Teamchef Michael Kohlmann in der Woche nach den US Open in der zweiten Runde der Qualifiers in Tokio um den Einzug in die Finalrunde in Bologna im November.
US Open, Achtelfinale: Jan-Lennard Struff – Novak Djokovic 3:6, 3:6, 2:6 (109 Minuten)
Erster Satz: 0:1, 0:2, 0:3, 0:4, 1:4, 2:4, 2:5, 3:5, 3:6.
Zweiter Satz: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 3:3, 3:4, 3:5, 3:6.
Dritter Satz: 0:1, 0:2, 0:3, 1:3, 1:4, 2:4, 2:5, 2:6.