NEW YORK – Herausragender Erfolg für Jan-Lennard Struff: Der Warsteiner Tennisprofi hat bei den US Open in New York erstmals in seiner Karriere das Achtelfinale erreicht. Im Drittrunden-Match gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe lieferte der Deutsche eine begeisternde Leistung ab und freut sich in der nun anstehenden Runde der letzten 16 auf den von den Titeln her erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten, Novak Djokovic.
Nach dem beeindruckenden Erfolg gegen den Weltranglisten-Elften Holger Rune in der zweiten Runde wartete am Freitagnachmittag ab 15:31 Uhr Ortszeit beim letzten Grand Slam-Turnier des Jahres das Duell mit der Nummer 17 der Welt – Frances Tiafoe.
Gegen den 27-jährigen US-Amerikaner spielte der Deutsche auf der Tour zuvor drei Matches, zwei davon konnte Tiafoe für sich entscheiden. Das bis dahin letzte Aufeinandertreffen im Finale der Boss Open in Stuttgart 2023 endete spektakulär, hatte der US-Amerikaner die Partie im entscheidenden Satz in einem hochdramatischen Tie-Break knapp gewonnen. 6:4, 6:7, 6:7 hieß es damals aus Sicht des Deutschen.
“Aggressiver” Matchplan
Bei der Neuauflage im Flushing Meadows Corona Park sollte es auf dem 8125 Zuschauer fassenden Grandstand weniger eng zugehen: Struff war von Beginn an der dominierende Akteur, lies das Gros der US-amerikanischen Fans erst gar nicht in eine Jubelstimmung kommen.
„Ich habe von Anfang an sehr aggressiv gespielt, bin gut auf die Bälle draufgegangen und hab ihn gut unter Druck gesetzt“, sprach Struff nach der Partie im Sky-Interview über seinen Matchplan und den Auftakt in die Begegnung.
Und genauso präsentierte sich der Sauerländer in der stechenden Nachmittagssonne über New York. Struff nahm das Zepter in die Hand, holte sich schnell das Break zum 2:1. Auch wenn Tiafoe mit dem umgehenden Re-Break konterte, war der Mitteleuropäer der bessere Spieler des ersten Satzes. Daraus resultierte das kurz darauf folgende abgenommene Aufschlagspiel zum 3:2, das der 35-Jährige zum 6:4 und dem Satzgewinn nach 35 Minuten durchbrachte.
Struff, der mit den drei Quali-Matches sowie den beiden Hauptrunden-Duellen bereits fünf Partien hinter sich hatte, wirkte deutlich frischer als sein Gegenüber. Während der Deutsche sein vielleicht bestes Tennis in diesem Jahr auf den Court brachte, wirkte der sonst für seine energiegeladenen Auftritte bekannte Tiafoe teilweise ratlos, fand oftmals keine Antwort auf das druckvolle Spiel des Deutschen.
Struff lässt Tiafoe-Fans verstummen
Der Warsteiner blieb seiner Linie permanent treu, holte sich im zweiten Durchgang ebenfalls das Break zum 3:2, um nach 69 gespielten Minuten von einem Doppelfehler seines Kontrahenten zum Satzgewinn mit 6:3 zu profitieren.
Struff gab dem größtenteils für den US-Amerikaner anwesenden Publikum kaum Raum, um für Tiafoe zu jubeln, war er auch im dritten Durchgang der gradlinigere Akteur, der der Partie seinen Stempel aufdrückte.
Mit dem gewonnen Break zum 5:3 rechneten viele mit einem schnellen Ende der Begegnung, doch durch drei Doppelfehler im folgenden Aufschlagspiel kam Tiafoe, angefeuert von lautstarken „USA! USA!“-Rufen, zurück in die Partie.
„Ich wollte in dem Moment ruhig bleiben, aber habe es nicht hinbekommen und war eher angespannt“, beschrieb der Weltranglisten-144. Struff die Situation und führte aus: „Das kann passieren. Wichtig war nur, dass ich es dann geschafft habe, den Schalter wieder umzulegen.“
Eben dieser umgelegte Schalte brachte ihn trotz lautstarker Unterstützung für seinen Kontrahenten zurück in die Partie und in den Tie-Break des dritten Satzes.
Tie-Break bringt Entscheidung
Hier ging es wie im Stuttgart-Finale 2023 eng zu, wechselte das Momentum hin und her. Struff wehrte sogar einen Satzball ab, um kurz darauf selbst einen Matchball zu haben. Mit 9:7 gewann der Warsteiner nach 130 Minuten das Drittrunden-Duell und feierte nach einer herausragenden Leistung den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale bei den US Open.
„Das war ein nahezu perfektes Match, bis auf die Situation, wo ich ausservieren konnte. Es war wichtig, das Ding im Tie-Break zuzumachen, damit nicht noch mal Stimmung bei ihm und auf den Rängen aufkommt. Ich bin super glücklich. Manchmal ist es verrückt im Tennis. In zweiten Quali-Match verliere ich den ersten Satz 2:6 und dann kommt die Regenpause für den Tag. Ich weiß nicht, ob ich sonst jetzt hier stehen würde. Manchmal spielt man sich einfach rein.“
Struffs Gegner im Achtelfinale wird niemand Geringeres als Novak Djokovic, der 24-fache Grand Slam-Sieger (vier Mal US Open) aus Serbien. Der 38-Jährige bezwang in seiner dritten Runde den Briten Cameron Norrie. Die Partie wird am Sonntag als erstes Match der „Night Session“, also ab 19 Uhr Ortszeit (in Deutschland 1 Uhr in der Nacht zu Montag) im Arthur Ashe Stadium stattfinden. Der Center Court der US Open ist mit einer Kapazität von 23.771 Plätzen das größte Tennisstadion der Welt.
Für das Erreichen des Achtelfinals und die zuvor gemeisterte Qualifikation bekommt der Warsteiner 230 Weltranglistenpunkte, die ihn nach einem schwierigen ersten Halbjahr in 2025 wieder in Richtung Top 100 bringen wird. Wichtig vor allem auch mit Blick auf die Anfang 2026 anstehenden Australian Open in Melbourne, für die er sich mit einer Platzierung unter den Top 96 der Weltrangliste nicht qualifizieren müsste. Zudem streicht Struff 400.000 US-Dollar Preisgeld für die bisherige Performance im „Big Apple“ ein.
US Open, dritte Runde: Jan-Lennard Struff – Frances Tiafoe 6:4, 6:3, 7:6
Erster Satz: 0:1, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 4:2, 4:3, 5:3, 5:4, 6:4. (35 Minuten)
Zweiter Satz: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 4:2, 4:3, 5:3, 6:3. (34 Minuten)
Dritter Satz: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 3:3, 4:3, 5:3, 5:4, 5:5, 6:5, 6:6
Tie-Break: 0:1, 0:2, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3, 3:4, 4:4, 5:4, 5:5, 5:6, 6:6, 7:6, 7:7, 8:7, 9:7. (61 Minuten)