NEW YORK – Später Mittwochabend, 22:22 Uhr im Flushing Meadows Corona Park. Auf Court 17 der Anlage der US Open kämpfen Jan-Lennard Struff und der Weltranglisten-Elfte Holger Rune seit 3:24 Stunden um den Einzug in die dritte Runde. Zuschauer haben die Tribüne auf dem benachbarten Court 12 erklommen, um die entscheidenden Momente des Matches miterleben zu können. Bis auf die Musik aus den großen benachbarten Stadien herrscht auf Court 17 absolute Stille. Im fünften Satz steht es 6:5, 40:0 – drei Matchbälle für Jan-Lennard Struff. Der erste Aufschlag: zu lang – „Fault“. Der zweite Aufschlag: Guter Return-Winner von Rune – 40:15. Konzentriertes Durchatmen beim Deutschen. Aufschlag nach außen, unerreichbar für Rune – Ass! „Game, Set and Match, Jan-Lennard Struff“, verkündet Stuhl-Schiedsrichter Arnaud Gabas in den frenetischen Jubel von den Rängen.
Eine enorm starke Willensleistung von Jan-Lennard Struff gipfelt bei den US Open in New York in dem Erreichen der dritten Runde. Der Weltranglisten 144. aus Deutschland kämpfte sich beim letzten Grand Slam-Turnier der Jahres nach bereits drei erfolgreichen Qualifikationsmatches in der Vorwoche zum dritten Mal in seiner Karriere in die dritte Runde des Turniers im „Big Apple.“
2800 Zuschauer fassender Court 17 fasst durchgehend voll besetzt
Dabei zeigte der Warsteiner gegen den an Position elf gesetzten Dänen Holger Rune noch mal eine deutliche Leistungssteigerung zur ersten Runde und begeisterte mit mitreißendem Tennis das Publikum auf dem 2800 Zuschauer fassenden und fast permanent voll besetzten Court 17.

Dieser Stand zu Beginn des Matches um 18:58 Uhr bereits im Schatten des „Arthur Ashe Stadiums“, dem größten Tennisstadion der Welt. Zuschauer hatten sich bereits während des davor laufenden Damen-Matches Plätze gesichert, um das Match verfolgen zu können. Und sie sollten nicht enttäuscht werden, bot bereits der erste Durchgang hohe Intensität und Spannung. Dabei wehrte Struff nach 49 Minuten einen Satzball ab, um kurz darauf in den Tie-Break zu gelangen. Auch hier gestaltete sich der Schlagabtausch extrem eng, konterte Struff das Mini-Break zum 2:4 mit dem abgenommenen Aufschlag zum 4:5. Ein beeindruckender und mutiger Ballwechsel des Deutschen, an dessen Ende ein extrem starker Vorhand-Winner Struffs stand, endete im 7:5 für Struff und der gleichbedeutenden Satzführung.
Auch wenn der Warsteiner den zweiten Satz mit 2:6 verlor, war dieser zweite Durchgang von hauchdünnen Entscheidungen geprägt, die abermals als „Close Shot“ visualisiert auf den Bildschirmen auf dem Court gezeigt wurden. So schlugen Entscheidungen um einige Zentimeter, teilweise Millimeter zugunsten der einstigen Nummer vier der Welt aus Dänemark aus, während der Deutsche einige Entscheidungen um eben diese Nuancen verpasste.
Aber das Blatt wendete sich, als Struff im dritten Satz mit Unterstützung der Netzkante das Break zum 5:3 holte und kurz darauf nach 121 gespielten Minuten die erneute Satzführung feiern konnte.
Rune versuchte in der Folge, das letztlich gleich auf beide Seiten verteilte Publikum noch einmal zu motivieren, doch es war der Sauerländer, der den ersten Stich setzen und das Break zum 3:2 holen konnte. Doch die dänische Antwort sollte nicht lange auf sich warten lassen, egalisierte der in Gentofte geborene Skandinavier umgehend mit Break zum 3:3. Und er nahm dem Westfalen ein weiteres Aufschlagspiel ab, aus deutscher Sicht leider das entscheidende zum 4:6 und dem Satzausgleich.
Damit musste der fünfte Durchgang die Entscheidung bringen, der von einem intensiven Schlagabtausch geprägt wurde. Das Publikum war nach langen Ballwechseln kaum noch auf den Plätzen zu halten.







Struff war richtig gut in der Partie, zeigte wie auch schon das Match über eine gute Körpersprache. Die Breakchance zum 4:3 konnte der 35-Jährige noch nicht nutzen, aber die kurz darauf folgende Möglichkeit beim Stand von 5:5. Den Breakball im Rücken feuerte der Warsteiner eine Vorhand in Hochgeschwindigkeit ab und sicherte sich den entscheidenden Vorteil, der kurz darauf den Matchgewinn bedeutete – 7:6, 2:6, 6:3, 4:6, 7:5.
Wie ausgeglichen dieser Kampf gewesen sein sollte, spiegelte sich am Ende auch in den insgesamt gewonnenen Punkten wider, gewannen der 22-jährige Däne und der 13 Jahre ältere Deutsche jeweils 159 Punkte in der 3:25 Stunden andauernden Begegnung. Zudem ist Struff mit dem Erfolg der älteste deutsche Tennisprofi, der einen Top-20-Spieler bei einem Grand Slam bezwingen konnte.
Nach dem Match erklärte Struff im On-Court-Interview bei Sky: „Das war brutal emotional für mich, die Stimmung war gigantisch. Am Ende habe ich wieder aktiver gespielt und bin glücklich, dass sich das für mich ausgezahlt hat. Ich bin einfach richtig happy, dass ich dieses Match geholt habe. Den Sieg ordne ich in meiner Karriere hoch ein.“
Am Freitag wartet der US-Amerikaner Frances Tiafoe in der dritten Runde auf den Warsteiner. Die Partie wird nicht vor 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr deutscher Zeit) als drittes Match auf dem Grandstand stattfinden.
US Open, Runde 2:
Jan-Lennard Struff – Holger Rune: 7:6, 2:6, 6:3, 4:6, 7:5 (205 Minuten)
1. Satz: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3, 3:3, 3:4, 4:4, 4:5, 5:5, 5:6, 6:6;
Tie-Break: 0:1, 1:1, 2:1, 2:2, 2:3, 2:4, 3:4, 3:5, 4:5, 5:5, 6:5, 7:5. (57 Minuten)
2. Satz: 1:0, 1:1, 1:2, 1:3, 2:3, 2:4, 2:5, 2:6. (28 Minuten)
3. Satz: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 3:3, 4:3, 5:3, 6:3. (46 Minuten)
4. Satz: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3, 3:4, 4:4, 4:5, 4:6. (36 Minuten)
5. Satz: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3, 3:3, 3:4, 4:4, 4:5, 5:5, 6:5, 7:5. (48 Minuten)