NEW YORK – Mentales Match im Hinterkopf, Rune-Kracher vor Augen: Der Warsteiner Tennisprofi Jan-Lennard Struff hat bei den US Open in New York nach erfolgreicher Qualifikation auch die zweite Runde erreicht. Dabei machte der Deutsche das Match, trotz des US-amerikanischen Gegners Mackenzie McDonald, zu einem Heimspiel und ist bei seiner zehnten Hauptfeld-Teilnahme am letzten Grand Slam-Turnier des Jahres zum fünften Mal in die zweite Runde eingezogen.
„Am Anfang war es schwierig, da bin ich nicht in den Rhythmus gekommen“, analysierte Struff nach dem Match im On-Court-Interview bei Sky und ging dabei auf den herausfordernden Start auf Court 12 des USTA Billie Jean King National Tennis Centers in Flushing Meadows ein.
Nach holprigem Auftakt besser in der Partie
Bei 29 Grad in der intensiven Nachmittagssonne über New York fand der Sauerländer ab 16:08 Uhr Ortszeit zuerst nicht in die Partie. „Die Bedingungen waren heute nicht so leicht, der Ball ist leicht geflattert“, hatte der groß gewachsene Warsteiner Startprobleme, in das Match zu kommen.
McDonald zeigte sich im ersten Aufeinandertreffen als unangenehmer Kontrahent. Der quirlige US-Amerikaner, derzeit auf Rang 100 der Weltrangliste positioniert, erarbeitete sich viele Angriffsbälle des Deutschen und beeindruckte im ersten Durchgang mit einer extrem schnellen und flachen Vorhand. Struff schien anfangs kein Gegenmittel zu finden, quittierte diese Tatsache nach verlorenem ersten Satz auch mit einem auf den Boden geschlagenen Schläger – 3:6

Der Sauerländer, momentan Weltranglisten-144., musste auch im zweiten Durchgang ein probates Mittel gegen den gut aufgelegten McDonald finden. „Ich habe mich in das Match reingearbeitet, auch dank der vielen deutschen Zuschauer. Das war unglaublich, wie mir hier zugejubelt wurde“, ging der 35-jährige Deutsche auf die für ihn positiven Umstände ein. Mit „Let’s go, Struffi! Let’s go!“ hallte abermals der Support der Deutschen über den insgesamt 1700 Zuschauer fassenden Court, der sich mit zunehmender Matchdauer fast vollends füllte.
Eine sicherlich entscheidende Szene spielte sich im zweiten Durchgang ab, als der 30-Jährige aus den USA beim Stand von 3:3 und Breakball eine vermeintlich leichte Vorhand vergab. Danach kämpfte sich Struff in den Tie-Break und sollte in diesem unter tosendem Applaus mit einem 7:4 den Satzausgleich feiern.
„Irgendwie hab ich es geschafft, den zweiten Satz zu gewinnen, obwohl ich ein paar Fehler zu viel gemacht habe“, erklärte der Warsteiner am Sky-Mikrofon und sprach über das Mittel, das er gegen McDonald fand: „Ich habe versucht, ausgeglichener zu sein, eine Intentsität zu haben, die Beine arbeiten zu lassen und aktiv zu bleiben.“
Vor allem steigerte der Mitteleuropäer im dritten Satz seine Quote bei den ersten Aufschlägen in einer weiterhin ausgeglichenen Partie, konnte dadurch zusehends mehr Druck ausüben und fand weitere probate Mittel: „Ich habe versucht, ausgeglichener zu sein, eine Intentsität zu halten, die Beine arbeiten zu lassen und aktiv zu bleiben.“
Der aus Kalifonien stammende Kontrahent hatte mit zunehmender Matchdauer auch etwas von seinem anfangs starken Spielstil eingebüßt, kamen die gefährlichen flachen und früh getroffenen Vorhände nicht mehr in der Vielzahl. Die 2:1-Satzführung nach 137 gespielten Minuten gab dem Warsteiner zudem sichtlich mehr Sicherheit.
“Habe mit hoher Qualität gespielt”
Jan-Lennard Struff nach seinem Auftaktmatch gegen Mackenzie McDonald
Mit lautstarker Unterstützung des nun prall gefüllten Courts im Flushing Meadows Corona Park blieb Struff fokussiert und wirkte mit zunehmender Spielzeit auch als der frischere Akteur.
Das Break zum 4:2 war das entscheidende, das ihn nach 2:52 Stunden zum 3:6, 7:6, 6:3, 6:3-Erfolg und Einzug in die zweite Runde bringen sollte.
Struff analysierte danach im Sky-Interview: „Im dritten und vierten Satz habe ich mit einer hohen Qualität gespielt, bin immer drangeblieben, aber ich habe mich insgesamt extrem in das Match reinarbeiten müssen. Das ist auch dank der Zuschauer so gekommen. Das hat mir heute noch mal einen richtigen Push gegeben, das war ein richtig starker Support.“
Zweites Match gegen Rune steht an
Nächster Gegner wird der hochgehandelte 22-jährige Däne Holger Rune. Die aktuelle Nummer elf der Weltrangliste bezwang zum Auftakt Botic van de Zandschulp in einer umkämpften Partie in exakt drei Stunden mit 6:3, 7:6, 7:6.
Es wird das zweite Aufeinandertreffen zwischen Struff und Rune. Das bislang einzige Duell der beiden konnte Struff auf dem Weg zu seinem Turniersieg bei den BMW 2024 im Halbfinale mit 6:2, 6:0 beeindruckend für sich entscheiden.
US Open, Runde 1: Jan-Lennard Struff – Mackenzie McDonald 3:6, 7:6, 6:3, 6:3 (172 Minuten)
1. Satz: 0:1, 0:2, 1:2, 2:2, 2:3, 2:4, 2:5, 3:5, SB 33x 3:6. (34 Minuten)
2. Satz: 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3, 4:3, 4:4, 5:4, 5:5, 6:5, 6:6;
Tie-Break 0:1, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 3:3, 4:3, 4:4, 5:4, 6:4, 7:4. (62 Minuten)
3. Satz: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 4:2, 4:3, 5:3, 5: 2. 6:3. (41 Minuten)
4. Satz: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2, 3:2, 4:2, 5:2, 5:3, 6:3. (35 Minuten)