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Struff im 2019-Interview: „Das beste Jahr meiner Karriere“

WARSTEIN – Das Jahr 2019 wird für Jan-Lennard Struff in besonderer Erinnerung bleiben. Außergewöhnliche Erfolge auf ATP- und Grand-Slam-Ebene sowie die Geburt seines Sohnes Henri charakterisieren die vergangenen zwölf Monate des aktuell auf dem 35. Platz der Weltrangliste liegenden Warsteiners. Im Jahres-Interview spricht der 29-Jährige über seine abgelaufene Saison und wirft einen Blick auf die bevorstehende Spielzeit.

Jan, du hast ein aufregendes und intensives Jahr 2019 hinter dir. Wie geht es dir aktuell? Genießt du die Vor-Weihnachtszeit?

Struff: Mir geht’s gut. Die Vorbereitung auf das nächste Jahr läuft. Es ist natürlich anstrengend, aber so muss es ja auch sein. Das Training ist allgegenwärtig, aber ich versuche, auch zu Hause mit der Familie eine schöne Zeit zu haben.

Den Erfolg des Vorjahres bestätigt: Struff erreichte 2019 in Wimbledon erneut die dritte Runde.

In deinen vergangenen zwölf Monaten gab es zahlreiche Karriere-Höhepunkte. Doppel-Siege in Auckland und Metz. Das erstmalige Erreichen einer zweiten Woche im Einzel-Wettbewerb eines Grand Slams. Neue Karriere-Höchstplatzierungen mit Rang 33 als bislang bestes Ranking (1. Juli/Anm. der Redaktion). Wie beurteilst du selbst dein Tennisjahr 2019?

Struff: 2019 war auf jeden Fall das beste Jahr meiner Karriere. Ich bin unglaublich happy, wie es gelaufen ist. Ich habe meine höchste Karriere-Position erreicht. Und in Paris (French Open/Anm. der Redaktion) in die zweite Woche zu kommen – das war ein großes und wichtiges Ziel von mir. Die Doppel-Titel waren natürlich auch etwas Schönes. Aber so wie wir im vergangenen Jahr im Team zusammengearbeitet haben, das war schon etwas Besonderes. Ich hoffe, dass ich 2020 an die Leistungen anknüpfen kann. Ich werde alles dafür tun, dass es so weitergeht.

Du gehst das erste Mal mit einer positiven Bilanz (35 Siege, 29 Niederlagen) aus einer Saison auf der ATP-Tour. Was siehst du als die Hauptgründe für deine positiven Ergebnisse?

Struff: Das ist schon verrückt. Ich stand zum Ende der letzten Jahre ein paar Plätze über Rang 50 und habe in den Jahren kein positives Siege-Niederlagen-Verhältnis gehabt. Das zeigt, wie eng die Dichte in der Weltrangliste ist. Ich spiele gefühlt eine Mega-Saison und habe „nur“ sechs Siege mehr als Niederlagen. Das zeigt: Man muss im Tennis damit klarkommen, dass man eigentlich jede Woche ein Match verliert. Bei den Turnieren gibt es immer nur einen Spieler im Feld, der kein Match verliert. Und für uns Spieler geht es darum, damit gut umzugehen und anschließend weiter Gas zu geben.

4:6, 6:1, 4:6, 7:6, 11:9 „Das war der Wahnsinn“: Borna Coric und Struff nach dem Drittrunden-Duell in Paris.

Gibt es ein Match aus diesem Jahr, an das du dich besonders gerne erinnerst?

Struff: Das Match in der dritten Runde in Paris. Gegen Borna Coric. Das war einfach der Wahnsinn, einfach unglaublich. Die Stimmung war herausragend, Spannung war da, das Niveau war gut. Das Match hatte eigentlich alles (Ergebnis: 4:6, 6:1, 4:6, 7:6, 11:9/Anm. d. Red.). Dann gab es aber auch noch das Duell in Cincinnati gegen Tsitsipas, das ich im dritten Satz 7:6 gewinnen konnte (6:4, 6:7, 7:6/Anm. d. Red.).

Im Doppel hast du insgesamt 16 Matches weniger bestritten als im Vorjahr. Eine Entscheidung, die aufgrund der zunehmenden Anzahl an Einzel-Matches getroffen wurde oder waren es strategische Gründe?

Struff: 2018 habe ich sehr erfolgreich mit Ben (McLachlan/Anm. d. Red) zusammengespielt. 2019 waren wir weniger erfolgreich, hatten dadurch bedingt weniger Matches und haben unsere Zusammenarbeit im Doppel beendet. Das hatte keine strategischen Gründe. Hätten wir gut gespielt, dann hätten wir auch weiter zusammengearbeitet und mehr Matches bestritten.

Dafür gibt es jetzt einen neuen Doppel-Partner an deiner Seite: den einstigen Grand-Slam-Doppelsieger Henri Kontinen aus Finnland.

Struff: Ich freue mich, mit ihm spielen zu können. Henri ist ein sehr guter Doppelspieler und ich war unglaublich happy, als er gefragt hatte, ob ich mit ihm zusammenspielen möchte.

Apropos Henri: Ein ganz bestimmt weiteres Highlight war die Geburt deines gleichnamigen Sohnes. Du hast in vielen Interviews betont, dass dir das unglaublich viel Kraft gegeben hat. Wie waren die ersten acht Monate als Vater bislang?

Struff: Es ist einfach wunderschön. Der Kleine ist einfach unglaublich und gibt mir Kraft. Es tut mir unglaublich gut, zu Hause eine Familie zu haben, die zu einigen Turnieren auch mitkommen kann. Das ist einfach etwas Größeres als alles andere, das ist einfach herausragend! Die ersten acht Monate bedeuteten zwar auch wenig Schlaf, aber ich möchte mich nicht beklagen, das gehört einfach dazu.

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Deine Saisonpause war durch den neuen Davis-Cup-Modus, das End-Turnier fand Mitte November in Madrid statt, deutlich kürzer. Wie hast du die Auszeit verbracht?

Struff: Wir waren mit der Familie meiner Freundin in Kapstadt. Das war unfassbar schön und hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Anschließend stand die Vorbereitung auf die neue Saison 2020 an: Wie verliefen die Wochen mit deinem Trainer Carsten Arriens und Fitness-Coach Uwe Liedtke sowie deine Zeit in Saudi-Arabien?

Struff: Ich bin direkt aus Kapstadt nach Riad geflogen. Die zwölf Tage in Saudi-Arabien waren interessant, das war eine neue Erfahrung für mich. Die Leute waren freundlich und für uns war alles sehr gut organisiert. Es hat Spaß gemacht. Ein Trainingslager bei solchen Bedingungen ist notwendig, um einen Teil der Vorbereitung unter freiem Himmel absolvieren zu können.

Das Turnier, der Diriyah Tennis Cup, war mit Spielern wie unter anderem Daniil Medvedev, Stan Wawrinka, David Goffin und vielen mehr, stark besetzt. Wie wichtig sind gute Gegner für dich in der Vorbereitung?

Struff: Es gibt nichts Besseres, als in der Vorbereitung gegen gute Gegner zu spielen. Im Turnier habe ich gegen Medvedev (US-Open-Finalist/Anm. d. Red.) zum Auftakt verloren. 3:6, 1:6. Da war ich nicht zufrieden, auch wenn er ein richtig starkes letztes Jahr gespielt hat. Das war mein erstes Match und es war gut, zu sehen, woran es noch hapert und was brauche ich noch. Anschließend habe ich gegen den nachgerückten Michael Mmoh gespielt, konnte ihn 6:4, 6:1 bezwingen. Zum Abschluss habe ich gegen John Isner 6:4, 5:7, 11:13 verloren, aber es war wichtig für mich, solche Matches zu haben und gegen solche Gegner zu spielen. Das Fazit fällt auf jeden Fall positiv aus.

Worauf lag in der Vorbereitung der Fokus und wie zufrieden bist du zum jetzigen Zeitpunkt?

Struff: Ich bin bislang zufrieden, aber ich habe gemerkt, dass ich noch etwas arbeiten muss. Die Zeit für die Vorbereitung war kurz und ich muss mein Spiel noch verbessern. Der Fokus lag in den bisherigen Tagen auf Ausdauer und Kraft. Tennisspezifisch werden wir noch in Richtung Aufschläge gehen.

Wie sieht die weitere Vorbereitung bis zum Jahresende aus?

Struff: Am 27.12. werde ich noch mal mit Carsten trainieren und dann geht es am 28. Dezember in Richtung Australien.

Ein Blick auf das neue Jahr: Welche Ziele hast du dir, bzw. habt ihr euch als Team als Ziel gesetzt?

Struff: Die Ziele haben wir uns innerhalb des Teams gesteckt und die möchten wir für uns behalten, um uns keinen Druck zu machen.

Dann anders gefragt: Was möchtest du besser machen als in 2019?

Struff: Ich möchte natürlich an das vergangene Jahr anknüpfen. Ich möchte wieder Gas geben, mutig und nach vorne gerichtet spielen. Am liebsten natürlich viele Siege feiern und vielleicht noch einmal die zweite Woche eines Grand Slams erreichen. Ich möchte an 2019 anknüpfen und möchte punktuell, wie bei den Australian Open und den US Open, besser spielen.

Wie wirst du sportlich in 2020 starten, bei welchen Turnieren bist du zum Start ins neue Jahrzehnt dabei?

Struff: Wir starten mit dem ATP-Cup in Brisbane. Danach spiele ich in Adelaide, bei den Australian Open in Melbourne, Rotterdam, Dubai, Indian Wells und Miami – so ist der Plan für das erste Quartal bislang.

Der ATP-Cup wird im Januar erstmals ausgetragen, du spielst zusammen mit Alexander „Sascha“ Zverev unter deutscher Flagge. Wie groß ist deine Vorfreude auf die erstmalige Austragung?

Struff: Die Vorfreude ist groß. Ich denke, dass es ein geiles Event wird, um in eine Saison zu starten. Ich spiele immer gerne im Team und mit so einem großen Spieler wie Sascha spielen zu können, ist immer besonders.

Ihr spielt in der Gruppe F gegen Griechenland, Canada und Australien: Wie schätzt du eure Chancen ein?

Struff: Die Gruppe ist schwer. Das erste Match ist gegen die Australier, die vor heimischem Publikum spielen. Trotzdem glaube ich, dass wir ein gutes Team haben und Chancen, weiter zu kommen.

Im April steht dein 30. Geburtstag bevor. Wird es ein besonderer Tag für dich?

Struff: Mal schauen, vielleicht wird es nicht so besonders, weil ich bei einem Turnier im Einsatz bin. Vermutlich ein Geburtstag wie jeder andere in den letzten Jahren.

„Die Zusammenarbeit war schon etwas Besonderes“: Struff über das Jahr mit Trainer Carsten Arriens (r.) und Fitness-Coach Uwe Liedtke (mit Kappe).

Du gehst jetzt in dein zwölftes Jahr auf der ATP-Tour, für dich hat sich seit dem Start vieles verändert. Was hat sich auf der Tour seither am meisten verändert?

Struff: Ich habe das Gefühl, dass alles athletischer geworden ist. Dass man fitter sein muss, um zu bestehen. Dass die jungen Spieler alle hart schlagen und dass die Dichte unter den guten Spielern enger geworden ist.

2018 hast du im Jahresinterview gesagt, dass die damalige Tabellenführung deines favorisierten BVB „eine sehr gute Momentaufnahme“ sei, aber dass es bis zum Ende der Saison noch sehr eng und spannend werden würde. Du hast die Borussia vergangenen Dienstag gegen Leipzig gesehen. Was erwartest du nach deiner guten Prognose im letzten Jahr für die anstehende Rückrunde?

Struff: Das Spiel gegen Leipzig war geil. Viele Highlights und ein spannendes Match. Das war für alle Zuschauer interessant. Es ist in der Spitze alles sehr eng und ich bin gespannt, wie die Rückrunde noch verlaufen wird. Ich kann es für den BVB schlecht einschätzen, hoffe aber, dass die Jungs bis zum Ende oben mitspielen können.

Zum Abschluss der Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest: Wie sehen die Festtage bei dir und deiner Familie aus?

Struff: Ich habe ein paar freie Tage und die Zeit möchte ich auf jeden Fall mit der Familie genießen! Wir werden die Weihnachtstage gemeinsam verbringen und uns noch mal ein bisschen erholen, bevor es wieder auf die Tour geht.

Dann viel Erfolg für den Start in die neue Saison und einen guten Rutsch ins neue Jahr!