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Struff und Deutschland im Davis Cup: „Wettbewerb eine Chance geben, bevor man urteilt“

FRANKFURT – Deutschland und der Davis Cup. Das war in den vergangenen Jahren häufig eine schwierige Kombination. Schwierig, weil das deutsche Team an die Erwartungshaltungen der erfolgreichen Zeit Ende der 1980er bis Mitte der 90er Jahre mit den bisher einzigen drei Titelgewinnen nicht anknüpfen konnte. 

Dabei waren auch die letzten Jahre von Spannung geprägt, war das vergangene Jahr mit dem ersten Viertelfinaleinzug seit 2014 das beste Beispiel, was den Wettbewerb so besonders macht. Sowohl beim 3:1-Erfolg der deutschen im vergangenen Februar in Brisbane gegen Australien, als auch bei der denkbar knappen Niederlage in der Stierkampf-Arena in Valencia gegen Spanien wurden hochklassige Tennismatches von einer herausragenden Atmosphäre begleitet. „So etwas wie in Valencia habe ich noch nicht erlebt“, erinnert sich Struff. „Das war die beste Stimmung, die ich je mitbekommen habe.“

Eine Stimmung, die sicherlich auch von der alten Wettbewerbs-Struktur lebte. Denn im vergangenen August entschieden sich die Verantwortlichen um ITF-Präsident David Haggerty, dass der Davis Cup ein „Facelift“ bekommen wird. Konkret sieht es so aus, dass das Qualifikations-Wochenende, das ab Freitag (01.02.) mit zwölf Teams aus der Weltgruppe sowie zwölf weiteren aus den Zonengruppen ansteht, zusammengestrafft wird. Anstatt dem altbekannten und auch bei den Grand-Slam-Turnieren praktizierten Best-of-Five-Modus wird jetzt wie bei den ATP-Turnieren üblich mit zwei Gewinnsätzen gespielt. Dadurch werden die Duelle am Freitagnachmittag mit zwei Einzeln beginnen, bevor es am Samstag mit dem Doppel weitergeht. Anschließend werden noch zwei weitere Einzel gespielt, wobei das letzte Einzel je nach bereits gefallener Entscheidung nicht mehr ausgetragen werden muss. Die 12 jeweiligen Sieger qualifizieren wie die vier letztjährigen Halbfinalisten und zwei Wildcard-Teams für die Finalwoche, die Ende November in Madrid gespielt wird.

Diesen neuen Modus bekommt auch Jan-Lennard Struff zu spüren, wenn er mit dem deutschen Davis-Cup-Team gegen Ungarn um das Ticket nach Madrid spielen wird. Außerdem sind Alexander Zverev (ATP-Dritter), Philipp Kohlschreiber (32.), Peter Gojowczyk (62.) und Doppelspezialist Tim Pütz (72. der Doppel-Weltrangliste) für Deutschland mit dabei. Letzterer wird am Samstag wahrscheinlich mit dem Warsteiner Struff agieren, wenn das Doppelduell ansteht. Beide verloren bisher noch keines ihrer drei gemeinsamen Duelle im Davis-Cup. 

Für den Sauerländer gehören die Wochen im Kreise des Davis-Cup-Teams jedes Jahr zu den Highlights. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eingeladen werde. Ich spiele einfach gerne im Team, das macht mir immer wieder unglaublich Spaß.“

Neben dem langjährigen und erfahrenen deutschen Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann wird auch Boris Becker, Head of Men’s Tennis beim Deutschen Tennis Bund, seine Erfahrungen an die fünf DTB-Akteure weiter geben.

Becker wird sich auch erstmal an den neuen Spiel-Modus in diesem Wettbewerb gewöhnen müssen. Der 51-Jährige erlebte nicht nur die ersten beiden Titel der Deutschen, sondern auch das vielleicht berühmteste deutsche Einzel im Davis-Cup als Protagonist mit: In der Relegation 1987 bezwang Becker den US-Amerikaner John McEnroe in einer unvergesslichen Schlacht nach über 6:39 Stunden in fünf Sätzen (damals noch ohne Tie-Break). Ob nach der neuen Reform auf zukünftig an Duelle in dieser Art erinnert wird, bleibt offen. Jan-Lennard Struff meint: „Es ist schade, dass die Tradition des Davis Cups zerstört wurde. Aber man muss dem Wettbewerb wahrscheinlich erstmal eine Chance geben, bevor man ihn beurteilen kann.“