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Struff bei Grand-Slam-Turnieren: So läuft ein spielfreier Tag

MELBOURNE – Er ist Tennisprofi seit 2009. Jüngst legte er den besten Saisonstart seiner bisherigen Karriere hin: die ersten Wochen im Jahr 2018 liefen für Jan-Lennard Struff nach Maß. In drei Turnieren war und ist er so gut unterwegs wie nie zuvor: In Doha zum Auftakt der Einzel-Erfolg über Top-Spieler Tomas Berdych, in Sydney das erstmalige Erreichen eines ATP-Finals im Doppel zusammen mit Viktor Troicki, bei den Australian Open in Melbourne der erste Grand-Slam-Einzelerfolg seit August 2014 und im Doppel an der Seite des Japaners Ben McLachlan der Einzug ins Halbfinale. Dazwischen: das starke Zweitrundenspiel der Australien Open gegen „Maestro“ Roger Federer. Aber natürlich auch der ein oder anderen spielfreie Tag. „Das tut auch mal gut“, sagt Struff, Nummer 55 der ATP-Tennisweltrangliste. Wie bei Jan-Lennard Struff ein Tag ohne Tennismatch bei einem Grand Slam aussehen kann, könnt ihr im Protokoll nachlesen:

9.20 Uhr: In einem Hotelzimmer im Zentrum von Melbourne klingelt der Wecker. Bis in die Nacht hinein hatte er noch das siegreiche Doppel von Lleyton Hewitt geschaut, der ehemaligen Nummer eins der Welt und dem aktuellen Davis-Cup-Kapitän der Australier, der mit seinen 36 Jahren ein Comeback startet. Die Snooze-Funktion bleibt ungenutzt, sofortiges Aufstehen ist angesagt.
9.32 Uhr: Anruf bei der Freundin. Die beiden versuchen morgens und abends zu telefonieren. Während des Gesprächs macht er sich auf den Weg ins Hotelrestaurant. Zum Start in den Tag gibt es Müsli.

Stetiges Transportmittel: Für Struff geht es in Melbourne mit den angebotenen Shuttles von A nach B.

10.40 Uhr: Das Telefonat mit der Freundin ist beendet, das Frühstück auch. Jetzt geht es zum Physiotherapeuten des Deutschen Tennisbundes, Bastian Arnold, der passenderweise im gleichen Hotel untergebracht ist und Struff auf der mitgebrachten Liege in seinem Zimmer behandeln kann. „Wir haben mit dem viel beanspruchten Schlagarm und der Schulter gearbeitet“, erklärte der 39-Jährige nach der Behandlung, die knapp 50 Minuten dauerte.
11.32 Uhr: Struff ordert sich ein Shuttle zur Anlage der Australian Open. Bei den Turnieren können die Spieler diesen Service für Fahrten von der Anlage zum Hotel und zurück beanspruchen. Das gilt sowohl für innerstädtische Strecken in Melbourne als auch zu Fahrten zu Freizeitveranstaltungen.
11.45 Uhr: Das Shuttle ist da. Auf zur Tennisanlage!
12.06 Uhr: Ankunft im Melbourne Park, kurzer Gang in die Umkleidekabine. Die mitgebrachten Sachen wandern ins Schließfach.
12.23 Uhr: Mittagessen im Restaurant, das eigens den Spielern und Trainern vorbehalten ist. Hier können die Akteure, die pro Tag ein bestimmtes Limit auf ihrer Karte haben, zwischen verschiedenen Gerichten wählen: Sushi, Pasta, Sandwiches, Salate und andere Dinge stehen zur Auswahl. Struff wählt die Pasta, es gibt Spaghetti mit Pesto und geschnittenen Tomaten.
12.58 Uhr: Jetzt geht es in die Players Lounge. Noch ein bisschen die laufenden Matches auf den verschiedenen Courts verfolgen, gleichzeitig auf dem Handy die Zusammenfassungen der Fußball-Bundesliga anschauen. Struff ist blühender BVB-Fan. Seinen Klub verfolgt er, so gut es auf der Tour eben geht.
13.54 Uhr: Jetzt geht es zum „Practice Desk“, hier bekommt Struff Court 11 zugewiesen und außerdem sechs Bälle für die Trainingssession, die für 15 Uhr terminiert ist, zugeteilt.

Trainingssession auf Court 11 am Nachmittag: Das deutsch-japanische Duo McLachlan/Struff.

14.00 Uhr: Es geht ins Gym. Zum Warmwerden zehn Minuten Radfahren. Dann wird einer von sechs Plänen mit jeweils acht Übungen, die der in Deutschland gebliebene Physiotherapeute Uwe Liedtke mit auf den Weg gegeben hat, durchgeführt. Heute im Fokus: die Sprunggelenke stabilisieren. Eine halbe Stunde ist Struff damit beschäftigt.
14.45 Uhr: Warm up für die anstehende Trainingssession.
15.01 Uhr: Struff und Doppel-Partner Ben McLachlan starten auf Court 11 in die knapp einstündige Trainingseinheit. Die Sonne meint es mit 27 Grad gnädig. Vor knapp 15 Zuschauern schlagen sich die beiden ein, arbeiten an ihren Volleys, dem Aufschlag- und Returnspiel. Ein japanisches Kamerateam begleitet die Einheit von McLachlan, der wie alle japanischen Sportler auf der Anlage große Unterstützung genießt. Mit auf dem Court: Bens Bruder Riki, der als sein Coach fungiert. Und der deutsche Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann. Er wird nach der Abreise von Struffs Trainer Carsten Arriens in den Mittelpunkt rücken, wenn es um die Vorbereitung des Ländervergleichs im Davis Cup zwischen Gastgeber Australien und Deutschland kommt.
16.02 Uhr: Die Bälle auf dem Platz werden eingesammelt. Mangels Balljungen erledigen die Spieler die Arbeit im Training selbst.
16.05 Uhr: Zehnminütiges Ausradeln in den Katakomben der Rod Laver Arena, es ist die größte Tennisanlage der Welt, noch umfangreicher als die anderen drei Spielorte eines Grad Slams, Paris, New York, Wimbledon.

Zu Gast bei Eurosport: Während der Australian Open interview Kommentator Matthias Stach den Warsteiner Struff.

16.18 Uhr: Es geht in die Umkleide. Duschen, Klamottenwechsel.
16.38 Uhr: Struff gönnt sich zwei kleine Snacks: Sandwich und Joghurt.

16.45 Uhr: Wieder geht es zu Bastian Arnold. Physio und Spieler kennen sich seit 2015. Knapp 50 Minuten lang nimmt Arnold 1,96 Meter Spielerkörper unter seine Fittiche.
18.06 Uhr: Noch schnell zwei kleine Snacks im Spielerrestaurant holen, bevor ihn das Shuttle zurück ins Hotel bringt.
18.32 Uhr: „Der Tag verging im Flug“, sagt Struff auf der Rückfahrt im Shuttle.
18.50 Uhr: Ankunft im Hotel. Raus aus den lockeren Trainingssachen, rein in eine kurze Stoffhose und ein kurzärmliges T-Shirt.
19.17 Uhr: Treffen mit Landsmann Peter Gojowczyk, aktuell die Nummer 62 der Weltrangliste, zum gemeinsamen Abendessen. In einem Restaurant am Yarra-River wählt Sruff einen Salat und Calamari.
20.23 Uhr: Mit einem Eis zum Abschluss geht es in die Innenstadt. Ziel: Public Viewing, auf einer großen Leinwand wird das hochklassige Match zwischen der Nummer drei der Welt, Grigor Dimitrov, und Lokalmatador Nick Kygios übertragen. Zwischen den teils frenetisch feiernden Australiern sitzend, erfreuen sich die beiden Profis an der Euphorie, die die Australian Open in Melbourne auslösen.

Auf den Courts der Welt zu Hause: Jan-Lennard Struff, hier vor dem Federer-Match in der Rod Laver Arena.

21.53 Uhr: Nach zwei Sätzen, beide von Dimitrov im Tie-Break gewonnen, verlassen Struff und Gojowczyk das „Rudelgucken“ und verabschieden sich in ihre jeweiligen Hotels.
22.29 Uhr: Der abendliche Anruf mit der Freundin steht an, bevor es kurz darauf in die Nacht geht. Am nächsten Tag gilt es für Struff, seine Erfolgsserie im Doppel fortzusetzen.