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4:6, 4:6, 6:7 – Starker Struff verpasst Satzgewinn gegen König Roger

MELBOURNE – Über 14.700 Tennisfans in der ausverkauften Rod Laver Arena, Millionen Zuschauer an den Fernsehbildschirmen – und eine Sensation, die letztendlich ausgeblieben ist. Auch wenn die Lorbeeren, die der Warsteiner Jan-Lennard Struff nach seinem aufopferungsvollen Auftritt bei den Australian Open gegen den Weltranglisten-Zweiten Roger Federer erntete, in den ersten Momenten nach der Niederlage keinen Trost spenden konnten, so hat der 27-Jährige eine Leistung vollbracht, auf die er in den kommenden Wochen aufbauen kann.

Geballte Faust: Struffi konnte mit seinem Spiel gegen Roger Federer überzeugen!

Dass Struff überhaupt enttäuscht den Platz verlassen konnte, hatte er sich über 115 Minuten hart erarbeitet. Denn das Zweitrunden-Match auf dem Center Court in Melbourne war ein enges Duell, in dem sich der Warsteiner durch ein konstant gutes Spiel einige Möglichkeiten erarbeiten konnte.

Um 21.36 Uhr Ortszeit startete der 1,96 Meter große Deutsche in sein zweites Einzel-Duell mit dem „größten Spieler aller Zeiten“, wie Struff am Tag vor dem Match selbst sagte. Federer, 19-facher Grand-Slam-Sieger, fünffacher Titelträger bei den Australian Open und amtierender Champion des Grand Slams in Down Under, war der entscheidende Faktor, dass das Match am späten Donnerstagabend in der Nightsession in der Rod Laver Arena ausgetragen wurde und versetzte die tausenden Zuschauer gewohnt in Ekstase.

Doch der Warsteiner blieb bei 34 Grad ganz cool und spielte von Beginn an seinen Streifen runter, hatte dabei immer seinen mit Trainer Carsten Arriens besprochenen Matchplan vor Augen.

15:0, 30:0, 30:15, 40:15, 40:30 – 1:0  und „Game Struff.“ Der Auftakt war geschafft, doch Federer legte umgehend nach und wollte auch in seinen weiteren Aufschlagspielen zeigen, dass gegen ihn wenig zu holen sein sollte. Und als der Schweizer sich nach 14 Minuten das Break zum 2:3 mit einem Vorhand-Winner sicherte, wurde schnell klar, dass dieses verlorene Aufschlagspiel des Deutschen entscheidend für den ersten Satz sein sollte. Der 36-Jährige verwandelte nach 32 Minuten seinen dritten Satzball zum 4:6 und löste damit erneut lautstarke Begeisterung auf den Rängen aus.

Amtierender Australian-Open-Champion und 19-facher Grand-Slam-Titelträger: Roger Federer.

Dass auch der zweite Durchgang ähnlich verlief, deutete sich nach Analyse der Statistik an: Struff agierte mit 60 Prozent erster Aufschläge und 72 Prozent seiner Punkte nach ersten Aufschlägen hervorragend, doch der „Maestro“ übertraf das Ganze mit 67 Prozent erster Aufschläge und 80 Prozent gewonnener Punkte nach erfolgreichen ersten Aufschlägen.

Federer nahm dem Westfalen bei Breakball nach einem erneuten Vorhand-Winner den Aufschlag zum 3:4 ab und spielte seinen Vorteil abermals erfolgreich zu Ende. So hieß es nach 65 Minuten 4:6, 4:6 aus Sicht des Deutschen, der in seiner Karriere erst einmal, im Erstrunden-Match der US Open 2014 gegen Mikhail Kukushkin, einen 0:2-Rückstand noch umdrehen konnte.

Doch „Struffi“ gab sich nicht auf, agierte mutig weiter und wurde beim Stand von 2:1 belohnt, als er nach 81 Minuten seine zweite Breakchance zum 3:1 nutzen konnte. Es keimte Euphorie auf, auch die Zuschauer hatten mittlerweile längst gemerkt, dass der Warsteiner mit seinem druckvollen Spiel überzeugen konnte.

Doch Federer nutzte anschließend eine ganz kurze Unachtsamkeit seines Gegners und brachte mit dem umgehenden Re-Break wieder alles in Reihe. Während Jan-Lennard Struff beim Stand von 3:3 noch eine weitere Möglichkeit, den Service seines Gegners abzunehmen, ungenutzt ließ, konnte sein Kontrahent beim Stand von 5:5 zwei Chancen nicht nutzen, weil der Westfale die Nerven behielt.

Temporeiche Aufschläge: Struffi servierte auch gegen Roger Federer in gewohnter Manier.

Somit ging es nach 109 Minuten in den Tie-Break, der für den Warsteiner mit einem Doppelfehler denkbar schlecht begann. Durch einen Vorhand-Unforced-Error des Rekordchampions egalisierte sich das Ergebnis noch einmal, bevor der Weltranglisten-Zweite vor einem Volley- sowie einem Vorhandfehler des 27-Jährigen profitierte. Damit ergaben sich drei Matchbälle, von denen der Baseler den zweiten zum 4:6, 4:6, 6:7(4) verwerten konnte, um in die nächste Runde einzuziehen.

Im On-Court-Interview mit dem zweimaligen Australian-Open-Sieger Jim Courier lobte Federer nach dem Match den Auftritt und das Spiel des Warsteiners noch einmal, bevor er sich bei den Fans verabschiedete und im dunklen Tunnel der Rod Laver Arena in die Nacht verwandt.

Für Jan-Lennard Struff geht es nach dem Ausscheiden im Einzel, das in der zweiten Runde immerhin mit 90.000 australischen Dollar belohnt wird, noch im Doppel weiter. Zusammen mit Ben McLachlan tritt der 27-Jährige morgen im dritten Match nach 11 Uhr auf Court 7 an. Die Prognosen von 42 Grad lassen allerdings vorhersehen, dass die sogenannte „Heatpolicy“ der ITF greift und die Akteure vermutlich erst in den Abendstunden antreten werden.

Shake-Hands nach 115 Minuten: Federer und Struff nach dem Zweitrunden-Match.