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Struffi im Jahresinterview: “Es gibt keine leichten Gegner”

WARSTEIN – Das Spieljahr war lang, die Saisonpause kurz: Jan-Lennard Struff ist nach der erfolgreichsten Saison seiner bisherigen Karriere seit dem 20. November in der Vorbereitung auf den Start in die Tennissaison 2018. Für den 27-Jährigen, Weltranglisten-53., geht es nach dem Beginn seiner Profi-Laufbahn 2009 in die zehnte Saison auf der ATP World Tour. Im großem Jahresinterview sprach Struff über die vergangenen zwölf Monate und die bevorstehende Spielzeit.

Nach dem Masters in Paris Ende Oktober hattest du knapp drei Wochen Pause. Wie hast du die Zeit verbracht?

Struffi: Nach meinem letzten Match bin ich abends direkt noch nach Hause geflogen. Vorher war ich elf Wochen lang unterwegs und musste in der ersten Woche nach meiner Rückkehr erstmal einige Dinge wie Arztbesuche erledigen, zu denen ich vorher nicht gekommen bin. Außerdem habe ich viel mit meiner Freundin unternommen, einige BVB-Spiele im Stadion gesehen und war mal wieder beim TuS am Herrenberg in Warstein. Insgesamt habe ich mich gefreut, dass auch einfach mal nichts gewesen ist.

Du warst 2017 dauerhaft in den Top 65 der Weltrangliste, hast dein bislang konstanteste Jahr gespielt und ein neues Karriere-Hoch mit Platz 44 erreicht. Wie bewertest du selbst die vergangenen zwölf Monate?

Spielte sein konstantestes Jahr auf der ATP-Tour: Jan-Lennard Struff. #Fotos: Hölter

Struffi: Das war auf jeden Fall die beste Saison, die ich bislang gespielt habe. Ein Grund ist, dass ich erstmals fast nur ATP-Turniere und die Grand Slams gespielt habe. Dagegen war ich nur bei drei Challenger-Turnieren. Ich war also fast das ganze Jahr auf der ATP-Tour unterwegs, und das ist eigentlich der Hauptgrund für die Konstanz. Darüber hinaus habe ich Platz 44 in der Weltrangliste erreicht. Ich weiß aber auch, dass ich einige Matches habe liegen lassen. Das passiert mal in der Saison, aber meiner Ansicht nach waren es ein paar liegen gelassene Matches zu viel. Mit der Gesamtleistung kann ich in diesem Jahr aber zufrieden sein und damit gut auf das nächste Jahr aufbauen. Natürlich wünsche ich mir mehr. Aber das ist ja auch der Anreiz eines jeden Sportlers, mehr zu erreichen.

Was waren deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren für dieses starke Jahr?

Struffi: Wir haben im Trainerteam mit Carsten (Arriens) und Uwe (Liedtke) kontinuierlich gut gearbeitet. Ich konnte dadurch mein Spiel verbessern. Wir sind außerdem im letzten Jahr den Schritt gegangen, die Vorbereitung erstmals im Ausland, in Nizza, zu absolvieren. Das hat auch Früchte getragen und mir rückblickend einen deutlichen Vorteil verschafft. Es macht ja auch einfach Sinn, sich bei ähnlichen Verhältnissen vorzubereiten, wenn man den Tour-Start im Januar unter freiem Himmel bestreitet.

Du warst erstmals seit 2014 wieder im Hauptfeld aller vier Grand-Slam-Turniere. Welchen Stellenwert haben diese vier Wettbewerbe für dich?

Struffi: Grand-Slam-Turniere sind immer etwas ganz besonderes. Auch wenn ich in den letzten Turnieren nicht über die erste Runde hinaus gekommen bin, möchte ich im nächsten Jahr diese Marke durchbrechen. Ich hatte zwar auch schwierige Gegner. Aber es ist mein Anspruch, auch bei den Grand Slams gut zu spielen und das habe ich von den Ergebnissen her bislang leider nicht gemacht. Daran möchte ich jetzt arbeiten.

Du hast es angesprochen: Mit Dominic Thiem (ATP 8./Australian Open), Tomas Berdych (ATP 14./French Open), Milos Raonic (ATP 7./Wimbledon) und dem gut aufgelegten Alexandr Dolgopolov (ATP 64./US Open) schwierige Erstrunden-Lose bekommen. Hoffst du in 2018 auf ein gewisses Maß an Losglück oder sind das die Akteure,mit denen du dich ständig messen willst?

Packendes Match Anfang Mai am Münchener Aumeister: Struffi unterlag Sascha Zverev im Viertelfinale 6:4, 6:7, 6:7.

Struffi: Also eins muss man sagen: Es gibt keine leichten Gegner. Das sind bei den Grand Slams die besten 100 Spieler der Welt, die alle ihre Qualität haben und nicht umsonst auf ihren Weltranglistenplätzen stehen. Es ist einfach so, dass bei solchen Duellen Kleinigkeiten den Ausschlag geben können. Trotzdem wäre es schön, wenn ich nicht direkt gegen einen der Topstars spielen würde. Natürlich möchte ich mich mit denen messen, aber ich möchte bei den Australian Open auch über die erste Runde hinaus kommen. Und wenn es nicht klappt, dann werde ich es bei den French Open weiter versuchen. Grand-Slam-Turniere haben einfach einen hohen Stellenwert.

Gegen andere top platzierte Spieler wie gegen den kürzlich bei der WM in London siegreichen Grigor Dimitrov sowie gegen Jo-Wilfried Tsonga und den diesjährigen US-Open-Finalisten, Kevin Anderson, gelangen dir herausragende Erfolge.

Struffi: Das waren besondere Siege für mich. Gegen einen sehr gut aufgelegten Anderson, aber auch gegen einen Dimitrov, dessen Lieblingsbelag nicht unbedingt die Asche ist. Aber ich bin wirklich happy damit, sehr gute Siege gefeiert zu haben.

Im Davis Cup konntest du wie im vergangenen Jahr den entscheidenden Sieg einfahren. Was bedeutet das für dich?

Struffi: Das hat mir unglaublich viel bedeutet. Wir sind mit einer großartigen Truppe angetreten und hatten in Portugal eine schwierige Aufgabe vor uns. Es waren enge Matches und ich bin glücklich, dass Pützi (Tim Pütz) und ich erst im Doppel noch gewinnen konnten und ich dann am Sonntag den entscheidenden Punkt für das Team holen konnte. Davis-Cup-Wochen sind einfach überragend. Und ich liebe es, im Team zu spielen.

Neben dem bestehenden Davis-Cup-Team um Kapitän Michael Kohlmann hat Boris Becker die Kompetenz noch erweitert. Konntest du davon bereits profitieren?

Struffi: Im Trainerteam wurde unter der Hauptverantwortung von „Kohle“ (Kohlmann) hinsichtlich der Partie in Portugal gut gearbeitet. Boris kam erst am Mittwoch dazu, und er konnte uns dann einige Tipps und Ratschläge geben. Er ist eine absolute Persönlichkeit, von der man gerne das mitnimmt, was man bekommt.

Nach der Davis-Cup-Relegation im September hattest du das Halbfinale in St. Petersburg, das Achtelfinale beim Masters in Shanghai und das Viertelfinale in Wien erreicht: Damit hattest du, wie in den vergangenen Jahren, wieder einen starken Herbst. Kannst du dir die vermehrt guten Ergebnisse zum Jahresende erklären?

Struffi: Ich habe dafür eigentlich keine wirkliche Erklärung. Es freut mich natürlich, dass ich die letzten Jahre im Herbst immer gut gespielt habe, aber dafür war in diesem Jahr der Sommer nicht so erfolgreich.

Du hast die drittmeisten Turniere, 32, aller Profis gespielt, dazu Bundesliga und Davis Cup…

Dritter Bundesliga-Tiel mit dem TC BW Halle: Struffi und Teamkollege Lennart Zynga feiern die Meisterschaft.

Struffi: Genau, aufgrund der Erfahrungen in diesem Jahr werde ich in der nächsten Saison vielleicht auch mal meine Planung ändern und dann eventuell zwei, drei Turniere weglassen. Dafür müssen aber natürlich die Ergebnisse vorher mitspielen. Wir im Team haben die Thematik auf jeden Fall im Blick und schauen demnächst zusammen, wie wir es machen wollen.

Mit dem TC BW Halle hast du die dritte Meisterschaft nach 2014 und 2015 feiern können.

Struffi: Die Saison war gut. Aber nach den anfänglichen Schwierigkeiten, als wir zwei Mal 0:2 zurücklagen und beide Matches noch 4:2 gewinnen konnten, war es nicht absehbar, dass wir den Titel holen würden. Es war wieder ein starkes Teamgefühl und die Bundesliga-Zeit ist einfach eine schöne Zeit. Das macht jedes Jahr richtig Spaß und ich hoffe, dass wir nächsten Jahr wieder um den Titel mitspielen können.

Du hast in diesem Jahr nicht nur eine Weiterentwicklung und einen sportlichen Prozess auf dem Platz erlebt, sondern auch Abseits des Platzes. Im andauernden Rechtsstreit mit deiner ehemaligen Trainerin Ute Strakerjahn. Beeinflusst dich dieses Thema auf dem Court oder kannst du beides voneinander trennen?

Struffi: Ich finde, dass der Rechtsstreit bislang sehr einseitig dargestellt wurde. Das Thema ist für mich allgegenwärtig und ich möchte es auch nicht zur Seite schieben. Auf dem Platz fokussiere ich mich allerdings auf meine sportliche Laufbahn. Ich bin 27 Jahre alt und weiß, dass ich nicht ewig Tennis spielen kann. Deswegen möchte ich die weiteren Jahre bestmöglich nutzen.

Ein Blick auf die kommende Saison: Du bist Ende November in die Vorbereitung gestartet, hast wieder einen Teil davon bei der Mouratoglou Tennis Academy in Nizza verbracht. Wie schweißtreibend waren die letzten vier Wochen?

Das Team um Jan-Lennard Struff: Coach Carsten Arriens (l.) und Fitness-Trainer Uwe Liedtke. #Foto: privat

Struffi: Die erste Woche war wie immer die schweißtreibendste. Da haben wir nur Konditionstraining gemacht und ich war bis auf montags und samstags ganztägig bei meinem Fitnesstrainer Uwe. Ab der zweiten Woche wurde dann anteilig Tennis trainiert. Es ging viel um Tempo, Kondition und Kraft. Nachdem ich zuvor die Auszeit hatte, waren die ersten Einheiten unglaublich anstrengend. Da bin ich in der Mittagspause durch Lünen gegangen und konnte mit meinem Muskelkater kaum gerade gehen. Doch da es ja nur für einen begrenzten Zeitraum im Jahr so ist, ist es auszuhalten. Es ist zwar anstrengend, aber ich möchte natürlich auch Substanz für die ganze Saison aufbauen. Außerdem wurde mit der Zeit dann auch immer mehr Tennis gespielt, der Konditionsanteil ist zurückgegangen. Weihnachten mache ich dann nach vier durchgehenden Wochen noch mal für drei Tage Pause.

Wie sahen die Trainingsinhalte aus? Worauf wurde der Fokus gelegt?

Struffi: Wir haben die Statistiken der vergangenen Saison analysiert und im Team zusammen über 2017 gesprochen. Wir haben einfach gesehen, dass ich im Returnspiel noch viel Potenzial habe. Natürlich haben wir auch an den anderen Dingen gearbeitet, aber auf dem Return-Spiel lag unser Schwerpunkt.

Gab es weitere Trainingspartner von der ATP-Tour?

Struffi: Mit Alexandr Dolgopolov (ATP-38.), Viktor Troicki (ATP-55.), Stefanos Tsitsipas (ATP-91.) und dem Junioren-Sieger der French Open, Alexei Popyrin, hatte ich Trainingspartner von der Tour. Ansonsten hat ein Termin mit Stan Wawrinka leider zeitlich nicht gepasst. Zudem hatte an einem Tag auch Regen eine Einheit mit Tomas Berdych verhindert.

Wie im vergangenen Jahr geht es für dich zum Turnier-Auftakt nach Doha. Für dich das beste Turnier, um sich auf die klimatischen Bedingungen in Australien vorzubereiten?

Struffi: Doha wurde in diesem Jahr wieder zum besten ATP 250 gewählt und es ist einfach ein super Turnier. Tagsüber ist eigentlich immer gutes Wetter, abends ist es dann kühler. Außerdem ist es ist in etwa ein Drittel der Flugstrecke nach Australien, und es ist nach den Weihnachtstagen sehr gut aus Deutschland zu erreichen.

Anschließend gehst du beim ATP in Sydney an den Start. Was erhoffst du dir von den beiden sehr stark besetzten Turnieren?

Struffi: Ich denke, jeder Spieler will zu Beginn des Jahres zu seiner Form finden. Alle waren lange zu Hause und haben wieder Lust, zu spielen, sich viel vorgenommen. Ich freue mich auf jeden Fall, beide Turniere spielen zu können und hoffe, einen guten Start hinlegen zu können.

Das Weihnachtsfest steht unmittelbar vor der Tür: Wie sehen deine Wünsche für das kommende Jahr aus?

Struffi: Ich wünsche mir, dass es eine gute Saison wird. Ich weiß, dass ich hart dafür arbeiten muss, das Jahr erfolgreich zu gestalten. Ich hoffe natürlich, dass alle in meinem Umfeld gesund bleiben. Jetzt freue ich mich einfach, dass es bald wieder los geht und ich Gas geben kann. Es ist zwar schön, zu Hause zu sein, aber es ist genauso schön, Turniere zu spielen. Das lebe ich seit Jahren und es fehlt mir in der Pause auch, mich im Wettkampf messen zu können.

Dann viel Erfolg für den Start in die neue Saison und einen guten Rutsch ins neue Jahr!